Logo-Preise von 30 € bis 50.000 €: was du für welches Geld bekommst.
Von 30 € bei Fiverr bis 50.000 € bei der Konzern-Agentur: was du für welches Geld tatsächlich bekommst — und wo die Fallen liegen.
Sebastian Libuda · Gründer von Colourmatch · 1. März 2026
Du öffnest Fiverr und siehst Logos für 30 €. Du öffnest die Website einer Konzern-Agentur und liest „ab 50.000 €“. Beide behaupten, dasselbe zu liefern: ein Logo. Wer hat recht?
Beide. Und keiner. Was du für 30 € bekommst, hat fast nichts mit dem zu tun, was für 50.000 € geliefert wird — obwohl beides ein „Logo“ ist.
Nach diesen 1.500 Wörtern verstehst du fünf Preisstufen, was jeweils enthalten ist und wo die typischen Fallen liegen. Plus eine Empfehlung, in welcher Stufe du als Unternehmen zwischen 5 und 200 Mitarbeitern landen solltest.
Stufe 1: KI-Generator (kostenlos bis 30 €)
Was du bekommst: Ein PNG, generiert in unter zwei Minuten von Looka, Brandmark, Hatchful (Shopify) oder ChatGPT. Du gibst Name, Branche, ein paar Stilwörter ein, klickst durch Vorschläge.
Was du nicht bekommst: Vektor-Datei (kein SVG), monochrome Variante, Nutzungs-Richtlinien, irgendeine Form von Beratung. Plus: kein exklusives Recht. Es gibt eine reale Wahrscheinlichkeit, dass dasselbe Logo auch ein anderer Betrieb nutzt.
Wann das reicht: Test-Markenexperiment, Pop-up-Café für 6 Wochen, interne Tools die nie nach außen gehen. Niemals für eine Hauptmarke.
Stufe 2: Fiverr / 99designs Crowd (50–500 €)
Was du bekommst: Ein freelancer-gefertigtes Logo, 1–3 Konzepte, meist 1 Revision. SVG-Datei, oft in PNG/JPG für verschiedene Größen. Bearbeitungszeit 3–7 Tage.
Was du nicht bekommst: Strategischen Hintergrund. Der Designer kennt deinen Markt nicht. Briefing läuft über Standard-Formular. Originalität variiert stark — viele Designs sind aus Logo-Templates abgeleitet, manchmal sind Ähnlichkeiten zu existierenden Marken zu finden. Keine systematische Markenwelt (Farbpalette, Typografie, Sekundär-Elemente).
Wann das reicht: Solo-Selbstständige, kleine Online-Shops mit standardisiertem Angebot, Vereine, B2B-Bereiche wo das Logo eine kleine Rolle spielt. Nicht ausreichend für klassische Unternehmen mit Außenwirkung (Foodtruck, Café, Handwerk mit Fahrzeug-Branding, lokale Dienstleister mit Konkurrenz).
Stufe 3: Solo-Designer (1.500–4.000 €)
Was du bekommst: Strategisches Erstgespräch (1–2 Stunden). 2–4 Konzeptrichtungen. 1–2 Revisions-Runden. Final-Logo in allen gängigen Formaten (SVG, PDF, PNG in mehreren Größen, monochrom und farbig). Favicon. Kurze Brand-Guidelines (PDF, 4–8 Seiten) mit Farbcodes, Schriften, Abstandsregeln. Quelldatei (Illustrator) inklusive.
Was du nicht bekommst: Tiefe Markt- oder Wettbewerbsanalyse. Skalierbares Design-System für 5+ Anwendungen (Website, Print, Vehikel, Verpackung). Fortlaufende Begleitung.
Wann das reicht: Für 80 % der Unternehmen ist das die richtige Stufe. Heizungsbau-Betrieb, lokales Café, regionaler Dienstleister, Handwerk. Logo plus Brand-Guidelines reichen für Website, Geschaftsausstattung, Fahrzeugbeschriftung, klassische Werbung.
Stufe 4: Komplettes Branding bei kleiner Studio (4.500–12.000 €)
Was du bekommst: Logo ist nur das Anfangsstück. Plus: Markenpositionierung (1–2 Wochen Gespräche, Wettbewerbs-Scan, Zielgruppen-Schärfung). Vollständiges Designsystem (Farbpalette, Typografie-Hierarchie, Bildwelt-Richtlinien, Icon-Stil, sekundäre Layouts). Skalierbare Anwendungs-Vorlagen für Print, Web, Social. Brand-Guidelines (PDF, 30–60 Seiten). Markenpräsentation gegenüber dem Team.
Was du nicht bekommst: Markeneintragung beim DPMA (läuft separat, ca. 290–500 €, oft über Anwalt zusätzlich 800–1.500 €). Die Umsetzung selbst (also Druckkosten für Visitenkarten, Fahrzeugbeschriftung, Bauschilder) — das ist Folge-Auftrag.
Wann das passt: Wenn die Marke Teil deiner Differenzierung ist. Foodtruck, der auf Franchise-Wachstum hinarbeitet. Café mit Sekundär-Standorten in Aussicht. Handwerksbetrieb, der von Konkurrenz unterscheidbar werden will. B2B-Dienstleister mit teurem Service, dessen Außenwirkung Vertrauen kosten muss.
Stufe 5: Konzern-Agentur (15.000–50.000 €+)
Was du bekommst: Voller Brand-Strategie-Prozess (4–8 Wochen): Wettbewerbs-Analyse, Markt-Research mit Interviews, Brand-Architektur (Hauptmarke plus Submarken), umfangreiche Designsystem-Entwicklung, Brand-Manual von 100+ Seiten, Tone-of-Voice-Guide, Asset-Bibliotheken, Präsentation auf C-Level, Workshops mit dem Team.
Was du nicht bekommst: Persönliche Betreuung durch den Inhaber (du sprichst mit Junior- oder Mid-Level-Account-Managern, der Senior-Designer ist auf 4 Projekten parallel). Schnellen Turnaround (typische Phasen 8–16 Wochen). Klare Kosten-Transparenz — Stundensätze 180–350 €, Stunden-Schätzungen werden oft überschritten.
Wann das passt: Konzerne, größere Unternehmen ab 200+ Mitarbeitern, internationale Expansion. Für klassische Unternehmen ist das oft Overkill und ein großer Teil des Budgets flößt in Prozesse, die deinem Betrieb nicht weiterhelfen.
Die typischen Fallen, unabhängig von der Stufe
Falle 1: Quelldatei kostet extra
Manche Agenturen rechnen die Illustrator-Quelldatei separat ab oder verweigern sie ganz — das ist ein Lock-in-Move. Prüf bei jedem Angebot, ob Quelldateien kostenfrei enthalten sind. Wenn nicht: große Warnung.
Falle 2: Nutzungsrechte begrenzt
Manche AGB beschränken Nutzung auf bestimmte Medien oder Länder. Im Unternehmen ist das sehr selten gerechtfertigt — du willst exklusive, weltweite, unbeschränkte Nutzungsrechte. Ohne Aufpreis.
Falle 3: Templates statt Custom
Im Stufe-2-Bereich (Fiverr/99designs) sind Templates-Recyclen weit verbreitet. Das Logo ist gültig, aber nicht exklusiv — woanders gibt es Ähnliches. Prüf vor Auftragsannahme via Reverse-Image-Search auf Google Images.
Falle 4: Unklare Revisions-Anzahl
„Unbegrenzte Revisionen“ klingt schön, ist aber meistens Marketing-Sprache. In der Praxis kommen die meisten Logos in 2–3 Iterationsrunden zum finalen Stand. Mehr deutet auf unklares Briefing hin — nicht auf bessere Qualität.
Was hier kein Thema ist
Wir reden hier nicht über Logo-Trends oder ästhetische Bewertung. Ob du ein Wortmarken-Logo, Bildmarke oder Kombination brauchst, hängt von deiner Branche und deinem Anwendungsfall ab — das ist eine eigene Diskussion. Auch nicht Thema: Markenrechts-Eintragung. Die läuft separat über DPMA oder einen Anwalt und ist nicht im Logo-Preis enthalten.
Selbstkritik
Diese Fünf-Stufen-Logik ist meine Sicht aus 14 Jahren Designarbeit im Betrieb und etwa siebzig durchgeführten Logo-/Branding-Projekten. Die Stufen-Grenzen sind nicht hart — ein guter Solo-Designer kann durchaus Stufe-4-Qualität liefern, ein schlechtes kleines Studio Stufe-3-Qualität. Der Preis ist nur ein Indikator, kein Garant. Das Bauchgefühl im Erstgespräch (versteht der Designer dein Geschäft? stellt er die richtigen Fragen?) ist oft aussagekräftiger als der Stundensatz.
Konkrete nächste Handlung
Beantworte zwei Fragen, bevor du Angebote einholst: (1) Wie wichtig ist die Marken-Außenwirkung für dein Geschäft — von 1 (interne Nutzung, kaum sichtbar) bis 5 (Marke ist Teil der Differenzierung)? (2) In welchem Budget-Rahmen bewegst du dich? Bei 4–5 und Budget über 4.000 € liegst du bei Stufe 4. Bei 3–4 und Budget 1.500–3.000 € liegst du bei Stufe 3. Niedriger — lieber jetzt nicht und in 12 Monaten richtig, als jetzt schlecht und in 18 Monaten neu.